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Phänotypische Bewertung

Grundsätzlich gibt es vom Ablauf der Junghengsprüfung (JHP) keinen Unterschied zur Zuchteignungsprüfung (ZEP). Bei der JHP werden die die gleichen Untersuchungen durchgeführt und auch die gleichen Formulare benutzt. Jedoch werden die Tiere bei der JHP lediglich beschrieben, nicht bewertet. Sie erhalten daher die Untersuchungsprotokolle und die Auswertung ohne Punktzahl und ohne Kategorisierung der Zuchteignung.

 

Identifizierung

Jede Junghengstprüfung (JHP) fängt mit der Identifizierung des Tieres an. Geprüft wird, ob der Mikrochip am Tier mit dem Chip im Pass übereinstimmt. Sollte kein Chip gefunden werden, wird ein neuer gesetzt und die Prüfer entnehmen DNA-Material (wie bei der Registratur, damit die Identität im DNA-Labor verifiziert wird). Dieser Vorgang ist für Sie als Eigentümer kostenpflichtig. Erst wenn das Tier positiv identifiziert wurde, kann die JHP später abgeschlossen werden.

 
Größe, Gewicht, Ernährungszustand

Wir halten diesen Punkt für sehr wichtig, gibt er uns doch Aufschluss, ob ein Tier sich richtig entwickelt, bzw. entwickelt hat. Da Tiere unterschiedlich wachsen und auch unterschiedlichem Nahrungsangebot ausgesetzt sind, ist dieser Punkt flexibel. Aus unzähligen Messungen haben wir zwei mathematische Kurven erarbeitet, welche den Wachstums- und Gewichtsverlauf darstellen. Das Alter wird in Monaten angegeben und es ist sofort ersichtlich, ob ein Tier den vorgegebenen Mindestmaßen entspricht. Nimmt man als Minimum 45 kg und ein Stockmaß von 80cm bei einem zweijährigen Tier an, kann man anhand dieser Kurve schnell ableiten, ob das Tier das Minimum auch erreichen kann oder nicht. Der Tierarzt ist hier in der Pflicht ein Tier auch zu disqualifizieren, wenn Größe und Gewicht einfach nicht zum angegebenen Alter passen. Er hat jedoch auch die Möglichkeit eine Nachprüfung anzusetzen, sollte die Abweichung minimal sein.


Auf jeden Fall wird hier immer auch der Ernährungszustand mit in Betracht gezogen. Sollte ein Tier zu klein, zu leicht und unterernährt sein, könnte das auch auf eine Mangelernährung hindeuten, möglicherweise auch, um die Faserfeinheit nach unten zu mogeln. Diese Art des "fein fastens" kann schnell lebensbedrohend werden und wird nicht nur als Betrugsversuch gewertet, sondern kann bei entsprechender Ausprägung zu einer Anzeige führen.

 

Phänotypische Betrachtung

Den vollständigen Bewertungsbogen können Sie sich hier per PDF Download runterladen. Dennoch möchten wir Ihnen anhand eines Beispiels erläutern, wie die abgestufte Betrachtung gewichtet ist. Als Beispiel nehmen wir den Carpus Valgus oder auch x-Beinigkeit bei Alpakas. Die Auswertungen der ZEPs haben ergeben, dass über 60% der Tiere mindestens eine leichte Abweichung von geraden Beinen haben, so dass sich einzelne Züchter schon fragen, ob das eine Relevanz hat. Da keine der zu untersuchenden Abweichungem beim Urspungstier, dem Vicuna, vorkommt, können diese Abweichungen nur durch den Menschen verursacht worden sein, wobei es irrelevant ist, ob Genetik oder Ernährung als Ursache anzusehen sind. Die Abweichung bleibt bestehen und ist ein Zeichen dafür, dass ein Tier einen Mangel hat, dessen Ursprung wir nicht direkt identifizieren, jedoch in der ZUCHT (und darum geht es hier) NIEMALS ignorieren dürfen.

 

Gehen wir also davon aus, dass die Vorderbeine eigentlich von der Natur her als perfekt gerade vorgesehen sind und nun mit einem unterschiedlichen Schweregrad von der Norm abweichen. Der AZVD kennt folgende Abweichungen:

  • Leicht (grün)
  • Moderat (gelb)
  • Stark (orange)
  • Schwer = Disqualifizierung (rot)

 

Auszug ZEP Bewertungsbogen: Hinterbeine Rückansicht

Bewertung der Kuhessigkeit eines Alpakas

 

Prinzipiell gehen die Zuchteignungsprüfer bei der ZEP immer zunächst davon aus, dass ein Tier keine Abweichung hat. Man sucht also nicht die Abweichung, sondern überprüft, ob alle Bewertungskriterien erfüllt sind und dokumentiert die Abweichung. In diesem Fall zeigen alle Abweichungen links von der Mitte einen Kuhessigkeit, also X-Beinigkeit des Hinterfußwurzelknochens  und eine Abweichung rechts von der Mitte eine O-Beinigkeit des Hinterfußwurzelknochens bekannt.

 

  • Bei einer Abweichung zwischen 1° und 4° (<5°) sprechen wir von einer leichten Abweichung
  • Bei einer Abweichung zwischen 5° und 9° (<10°) sprechen wir von einer moderaten Abweichung
  • Bei einer Abweichung von exakt 10° (=10°) sprechen wir von einer starken Abweichung
  • Bei einer Abweichung mehr als 10° (>10°) sprechen wir von einer schweren Abweichung mit Disqualifizierung (DQ). Im Gegensatz zu den Vorderbeinen ist eine Kuhhessigkeit (X-Beinigkeit hinten schwerwiegender, da sich die Gelenke schon bei einer geringeren Abweichung berühren. Oft geht das einher mit dem Fehlen von Faser am Gelenk).

 

Identifizierung einer KuhhessigkeitJetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, wie ein Zuchteignungsprüfer diese Abweichung beurteilen kann, insbesondere, wenn die Tiere unter voller Faser stehen. Zunächst einmal haben die Prüfer die Möglichkeit die Beine mit einem selbstklebenden Verband (Vetwrap) so einzuwickeln, dass die Beistellung gut zu sehen ist. Sollten Sie während der ZEP den Eindruck gewinnen, die Beine sein wegen der Faser nicht gut bewertbar, können Sie das ZEP-Team auch bitten, diese Methode anzuwenden.

 

Anschließend nutzen die Zuchteignungsprüfer Folien mit Winkelaufdrucken, um eine Beinfehlstellung exakt zu bestimmt. Und sollten Sie dies nicht beobachtet haben, dann liegt das daran, dass man nach hunderten von Tieren eine gewisse Kompentenz entwickelt hat, die abgestuften Abweichungen auch ohne Hilfe zu identifizieren, zumal man nicht die exakte Gradzahl ermitteln muss, sondern einen Bereich.

 

In dem Beispiel links möchten wir dieses Verfahren verdeutlichen. Wenn man direkt von hinten auf das Tier sieht, muss man die obere, senkrechte Linie des sog. Templates mit dem dem Unterschenkelknochen parallelisieren und den Schnittpunkt auf das Hocke legen. Jetzt kann man die Abweichung in Grad durch den Mittelfußknochen ablesen. In diesem Fall liegt die Abweichung bei ca. 10° oder mehr. Es handelt sich somit um eine starken bis schwere Abweichung. Damit hier nicht ein Tier voreilig disqualifiziert wird, müssen jetzt alle Zuchteignungsprüfer einstimmung zum selben Ergebnis kommen. Um das andere Bein zu messen, dreht man die Folie und verfährt genauso und bekommt ein exakt messbares und reproduzierbares Ergebnis, was bei anderen Herdbuchprüfungen nicht definiert ist.

 

Dies ist nur ein Beispiel stellvertretend für viele Meßverfahren. Wir können Ihnen leider nicht alle vorstellen, bitten Sie jedoch der standardisierten und einheitlichen Ausbildung und dem immer pro Tier ausgerichteten Urteilsvermögen unserer Zuchteignungsprüfer zu vertrauen.

 

Hier können Sie den detaillierten Bewertungsbogen der ZEP als PDF Download beziehen.

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