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Zucht

AZVD steht für Alpaka Zucht Verband und auch wenn wir viele Mitglieder haben, die lediglich aus Freude einige Tiere haben, so muss sich alles was wir tun an den Grundsätzen der Tierzucht messen. Bitte lesen Sie dazu diesen Auszug aus der Definition zum Thema Tierzucht:

Als Zucht wird in der Biologie die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung bezeichnet. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und ungewünschte Eigenschaften unterdrückt werden. Um die Ziele zu erreichen, wird durch den Züchter oder die Züchterin zum Beispiel nach einer Leistungsprüfung eine Zuchtwertschätzung durchgeführt, um dann gezielt Individuen mit gewünschten Eigenschaften auszuwählen (künstliche Selektion) und miteinander zu verpaaren.

Willkommen auf der Welt

Der AZVD schreibt seinen Mitgliedern nicht vor, welche Stute zu welchem Hengst gehen muss. Aber wir wehren uns auch dagegen, dass unkontrolliert, unbewertet und ohne Zuchtziel genetisch gefährliche Eigenschaften verbreitet werden, die den oben genannten Grundsätzen entgegen wirken.

 

Wir erwarten von unseren Mitgliedern, dass sie egal ob professioneller Züchter oder Hobbyzüchter die Verantwortung übernehmen, die mit den Grundsätzen der Zuchtdefinition einhergehen. Dazu gehören folgende, eigentlich selbstverständliche

 

Grundregeln
  • keine Zucht mit Tieren die bekannte genetische Defekte bzw. Geburtsfehler haben (Kategorie C). Es ist nicht das Ziel der Alpakazucht, genetische Probleme zu verleugnen und unbemerkt weiter zu vererben
  • keine Kreuzungen zwischen Alpakas und Lamas. Das würde eindeutig einen Rückschritt für die Faser bedeuten und der Rassebeschreibung entgegenwirken
  • keine Kreuzungen zwischen Huacaya und Suri. Nach allen bekannten mendelschen Regeln muss das Suri-Gen dominant sein. Das bedeutet, dass aus einer Kreuzung immer äußerlich ein Suri, genetisch jedoch ein mischerbiges Tier entsteht, das falsch kombiniert wieder ein Huacaya hervorbringt. Wir halten dies für züchterisch kontraproduktiv und ist wohl hauptsächlich zur heimlichen Vermehrung von Suris zum Zweck der Kundentäuschung gedacht.
  • wer mit zur Zucht ungeeigneten Tieren weiterzüchtet, schadet der Alpakazucht und den Tieren.
  • keine Zucht mit "Blue-eyed-white" (BEW), also weiße Tiere mit komplett blauen Augen und Taubheit.(viele Zusammenhänge sind hier noch nicht endgültig geklärt und darum sollte sehr verantwortungsvoll mit diesen Tieren umgegangen werden)
  • nutzen Sie alle Mittel der Zuchtwertschätzung, um Ihre Zuchtziele zu definieren und dadurch auch zu erreichen.

 

Deckakt

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden zu decken. Beim sog. "Field Breeding" werden einem Hengst mehrere Stuten auf einer Weide beigestellt. Dies ist die einfachste Methode, da der Züchter nicht anwesend sein muss und nach einer gewissen Zeit testet und alle tragenden Stuten aus der vorübergehenden Herde entfernt. Leider wird der Hengst permanent versuchen die Stuten zu decken, auch wenn diese bereits tragend sind und diese dadurch auch die Frucht wieder verlieren könnten. Für Deckstationen ist diese Methode unglücklich, denn ein Geburtstermin lässt sich aus dieser unkontrollierbaren Belegung nicht ableiten. Die "Einzeldeckung", also der Vorstellung einer Stute bei einem Hengst, ermöglich eine wesentlich bessere Dokumentation des Deckfortschritts und einer möglichen Trächtigkeit. Diese Methode ist sicherlich für Deckstationen die Methode der Wahl, ist jedoch auch viel Zeit intensiver.

 

Der Deckakt selbst dauert zwischen 10 und 45 Minuten. Dabei "orgelt" der Hengst, was in Verbindung mit dem Deckakt selbst die Ovulation auslöst. Voraussetzung ist jedoch, dass ein reifes Ei bei der Stute vorhanden ist. Nach einer erfolgten ersten Bedeckung zeigen die meisten Erfahrungen, das eine erneute Bedeckung nach ca. 3-6 Tagen sinnvoll ist und danach ca. eine Woche gewartet werden sollte um einen erneuten Versuch zu starten.  Spuckt die Stute ab, ist das ein gutes Zeichen für eine Trächtigkeit. Der Stutenbesitzer sollte nun regelmäßig die Trächtigkeit verifizieren, um einen eventuellen Verlust schnell festzustellen.

 

Künstliche Befruchtung

Derzeit gibt es einige Bestrebungen zur künstliche Befruchtung durch Embriotransfer. Der AZVD hält dies zur Zeit nicht für nicht ausgereift, da durch dieses Verfahren die Ausgangsgenetik unkontrolliert und viel zu schnell verbreitet werden kann. Da das "genetische Ausgangsmaterial" jedoch weitgehend unbekannt ist, könnten auf diese Weise schnell Erbkrankheiten und Gendefekte verstärkt und rasant verbreitet werden. Dies ist besonders zutreffend, da gerade Nationen OHNE DNA Registratur und Abstammungsuntersuchung wie England, Neuseeland und Australien in diesen Bereichen besonders aktiv sind. Zwar sagen die Regularien, dass Elterntiere vor dem Embriotransfer gentisch typisiert werden müssen. Da deren Eltern aber nicht typisiert sind und auch ohne Entschlüsselung des Genoms dieses Verfahren nur eine Alibifunktion hat, ist eine Kontrolle tatsächlich unwirksam. Der Namenszusatz ET kennzeichnet die Nachkommen aus dieser küntslichen Anpaarung.

 

Die künstliche Besamung ist aus diversen Gründen nicht sonderlich effektiv. Da trotz 10%iger Erfolgsaussichten immer die vollen Kosten anfallen, wird die künstliche Besamung nicht kommerziell genutzt.

 

Trächtigkeitskontrolle:

Berichte von Züchtern lassen darauf schließen, dass die meisten abgebrochenen Trächtigkeiten innerhalb der ersten 3 Monate nach der Aufnahme unbemerkt passieren. Wird hier keine Trächtigkeitskontrolle durchgeführt, verliert der Stutenbesitzer eine komplette Fohlensaison.


ACHTUNG: Keine Methode der Trächtigkeitsdiagnose ist zu 100% zuverlässig. Führen Sie diese regelmäßig durch und kombinieren Sie die unterschiedlichen Methoden.

 

Echolot:
Anmessung der Fruchtblase mittels einem Echolot für die Schweinezucht. Möglich ab Tag 40 nach der Belegung auf der Linken Seite, ab dem Tag 70 auf der rechten Seite. Ab Tag 240 nicht mehr zuverlässig, da große Flüssigkeitsansammlungen in der Fruchtblase durch die Frucht verdrängt werden.

  • Vorteil: kostengünstig, selbst durchzuführen
  • Nachteil: Fruchtblase ist nicht leicht zu finden, Faser verhindert oft den Kontakt der Sonde

 

Ultraschall:
Ab dem Tag 40 können gute Ultraschallgeräte die Befruchtung zuverlässig erkennen. Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist eine visuelle Trächtigkeitskontrolle möglich. 

  • Vorteil: visuelle Verifikation
  • Nachteil: Verfügbarkeit, Erfahrungen zur Interpretation notwendig, neuer Schallkopf

 

Progesteron:
Die Blutuntersuchung auf Progesteron, einem Trächtigkeitshormon, das durch den Gelkörper (Corpus Luteum) ausgeschüttet wird, ist einer der zuverlässigsten und schnellsten Untersuchungen. Sie kann bereist 21 Tage nach der Aufnahme erfolgen. Leider gibt es auch hier Möglichkeiten der Fehlinterpretation, denn wird der Gelbkörper nach einem Abort nicht abgebaut, "denkt die Stute, sie sei tragend" und wehrt den Hengst ab. Diese Form der Scheinträchtigkeit zu diagnostizieren und zu behandeln ist weder einfach noch immer erfolgreich.

  • Vorteil: schnell nach der Deckung durchführbar, zuverlässig
  • Nachteil: Stress durch Blutentnahme, Fehlinterpretation bei Scheinträchtigkeit oder kurz vor der Geburt.

 

Hinweis:

Wir möchten allen angehenden Züchtern hier noch einmal ganz eindeutig sagen, Alpakas sind keine Maschinen. Wer für einen Geschäftsplan bei jeder Stute jedes Jahr mit einer Geburt rechnet, wird wohl nachhaltig enttäuscht werden. Eine Stute die durch eine ZEP Kategorie A geworden ist, hat zwar gute Voraussetzungen, das ist aber keine Garantie für eine Trächtigkeit mit einem gesunden Fohlen. Rechnen Sie also immer mit einer Verlustrate von 25%. Wir halten die im Netz propagierten 5% wird viel zu optimistisch und irreführend. Auch die Prozentangaben zu erfolgreichen unbegleiteten Geburten ist stark beschönigt. Wie bei allen Tierarten kann und wird es Komplikationen geben. Rechnen Sie von Anfang an damit, dann werden Sie nicht überrascht. Es gibt zahlreiche Fohlenkurse. Lernen Sie schnell und rechtzeitig. Nur so maximieren Sie den Erfolg Ihrer Zuchtbestrebungen.

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