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Studie Friedrich-Löffler-Institut

Sehr geehrter Herr Hieke,

 

am Friedrich-Loeffler-Institut läuft eine Studie „Neuweltkameliden in Mitteldeutschland“. In diesem Rahmen werden Neuweltkamelidenherden (egal ob 3 Tiere oder 300) in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesucht, deren Besitzer an der Studie teilnehmen möchten. Machen Sie mit und leisten Sie einen aktiven Beitrag zur Gesundheit und dem besseren Verständnis von Neuweltkameliden. Zusätzlich bekommen Sie kostenlos die Daten Ihrer Herde. Von den Herden sollen in erster Linie Sammelkotproben genommen werden, in einem zweiten Schritt kann jeder Tierbesitzer auf freiwilliger Basis auch Vaginaltupfern und Plazentaproben seiner Tiere zustimmen.

Initial sollen vor allem die Bakterien Chlamydien, Clostridien, Mykobakterium avium ssp. paratuberculosis, Salmonellen und das Antibiotikaresistenzprofil des Zeigerorganismus E. coli untersucht werden. Zum besseren Verständnis möchte ich Ihnen das kurz erklären:

Chlamydien sind als Aborterreger bei Wiederkäuern, vor allem bei Schafen, bekannt. Außerdem werden sie mit Bindehautentzündungen und mangelnder Gewichtszunahme bei Jungtieren in Zusammenhang gebracht. Die Erreger sind außerdem mehrfach in Neuweltkameliden nachgewiesen worden und stehen im Verdacht, auch hier Abortauslöser zu sein. Systematische Untersuchungen sind allerdings bisher nicht erfolgt. Mit dieser Studie verfolgen wir deshalb das Ziel, die Verbreitung von verschiedenen Chlamydienarten, von denen einige auch auf den Menschen übertragbar sind, in Neuweltkamelidenherden zu untersuchen und ggf. mit auftretenden Reproduktionsproblemen zu assoziieren. Dazu werden Sammelkotproben, eventuell Vaginaltupfer und wenn vorhanden Plazentaproben genommen.

Clostridioides (C.) (früher Clostridium) difficile ist ein wenig bekannter, aber wichtiger Erreger von Durchfallerkrankungen bei Menschen und auch bei Tieren. Die Symptome der C. difficile-Infektion (CDI) reichen von einem leichten Durchfall bis zu lebensbedrohlichen Entzündungen des Enddarms. In etwa 80 % der Fälle treten Erkrankungen des Menschen in Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Krankenhaus auf. Seit einigen Jahren nehmen jedoch Infektionen auch außerhalb von Krankenhäusern zu und bislang ist unklar, welche Umstände zu diesen Infektionen beitragen. Haus- und Nutztiere können ebenfalls von C. difficile Durchfallerkrankungen betroffen sein, wobei jedoch viele Tiere den Erreger beherbergen können ohne zu erkranken. Die Frage, ob Tiere möglicherweise eine Ansteckungsquelle für Menschen sein könnten, wird in der wissenschaftlichen Literatur seit einigen Jahren thematisiert. Tatsächlich konnte eine hohe Übereinstimmung von bestimmten Isolaten (Ribotypen) von Mensch und Tier festgestellt werden. Daher wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass bestimmte C. difficile-Ribotypen von Tieren auf den Menschen (und evtl. auch umgekehrt) übertragen werden können. Über das Vorkommen und die Eigenschaften von C. difficile bei Neuweltkameliden liegen bisher keine Erkenntnisse vor. Vor diesem Hintergrund führen wir ein Screening nach C. difficile durch, um die aktuelle Prävalenz der Erreger bei Neuweltkameliden und deren Eigenschaften (Typisierung und Resistenzen) zu erfassen.

 

Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis ist der Erreger der Paratuberkulose der Wiederkäuer. In Südamerika wurde er bereits in Neuweltkameliden nachgewiesen. Bei Wiederkäuern verursacht der Erreger chronische Dünndarmentzündungen, führt zu Abmagerung und letztendlich zum Tod des Tieres. Jedoch kommt es nicht bei jedem Tier zum Ausbruch der Erkrankung, es gibt auch Trägertiere, die keine Symptome zeigen. Das Ziel dieser Untersuchung auf Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis ist es, die Verbreitung in Neuweltkamelidenherden und besonders die Trägertiere zu erfassen. Dazu werden Sammelkotproben genommen. Sammelkotproben können falsch negative Ergebnisse aufweisen, wenn nur ein geringer Teil der Tiere als Ausscheider fungiert.

Salmonellen gehören weltweit zu den bedeutendsten bakteriellen Infektionserregern bei Menschen und Tieren und besitzen ein erhebliches Zoonosepotenzial (Zoonose = wechselseitige Mensch-Tier-Übertragung von Krankheitserregern). Das wichtigste Reservoir von Salmonellen ist der Darm von Tieren und des Menschen. Der wichtigste Infektionsweg ist die orale Aufnahme von mit Salmonellen kontaminierten Futter- oder Lebensmitteln durch den Wirt. Die meisten Salmonellen-Arten haben ein breites Wirtsspektrum. Der größte Anteil dieser Salmonellen-Arten besiedelt den Darmtrakt und verursacht dabei klinische Symptome mit unterschiedlichem Schweregrad. Nur eine geringe Anzahl an Salmonellen-Arten führt zu schweren systemischen Erkrankungen mit Todesfällen beim Menschen und bei Tieren.
Daten zum Vorkommen von Salmonellen werden bei den Nutztieren Rind, Geflügel und Schwein in unterschiedlicher Qualität kontinuierlich erfasst. Informationen zum Vorkommen von Salmonellen bei Neuweltkameliden stehen in Deutschland nicht oder nur in sehr wenigen Einzelfällen zur Verfügung.
Vor diesem Hintergrund führen wir ein Screening zum Vorkommen von Salmonellen in Neuweltkameliden-Beständen durch, um erste Informationen zur Verbreitung der Erreger zu erfassen. Zu diesem Zweck würden in Ihrem Betrieb Sammelkotproben von den Tieren gewonnen werden, die anschließend im Labor auf das Vorhandensein von Salmonellen untersucht werden.

Antibiotikaresistenzen stellen in der heutigen Zeit eine erhebliche Gefahr für Mensch und Tier dar. Bakterien, die in einer Konzentration eines oder mehrerer Antibiotika überleben oder sich gar vermehren, die üblicherweise ausreicht, Bakterien derselben Art zu hemmen oder abzutöten werden als resistent diesen Antibiotika gegenüber beschrieben. Neuweltkameliden wurden in diesem Zusammenhang bisher nicht systematisch untersucht, obwohl sie sich besonders gut als Untersuchungsbestand eignen, da sie zum einen zumeist in Weidehaltung mit unvermeidbarem, zum Teil engen Kontakt zu Wildtieren (Wildvögel, Nagetiere), landwirtschaftlichen Nutztieren (auf der Nachbarweide) und vor allem auch zum Menschen leben. Im Rahmen dieser Studie werden Stämme des Zeigerorganismus E. coli aus Sammelkotproben isoliert und untersucht.

Wenn Sie die gewonnenen Daten für Ihr Herdenmanagement erhalten möchten und uns helfen möchten diese wundervollen Tiere besser zu verstehen, würden wir uns sehr freuen! Gern können Sie umliegende Neuweltkamelidenhalter zu dieser Studie einladen um das regionale Ansteckungspotential besser abschätzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Dr. Elisabeth Wiegand
Institut für molekulare Pathogenese

 

Kontaktaufnahme:


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Friedrich-Loeffler-Institut
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Federal Research Institute for Animal Health
Naumburger Str. 96a | 07743 Jena
Tel: +49 3641 804 2325 | Fax: +49 3641 804 2228
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